ANGELIKA WENDE Coach | Sprech- und Stimmtrainerin

"Der Raum unseres Selbst wächst mit neuen Erfahrungen. Dazu gehören auch unangenehme und beunruhigende Erfahrungen. Auch sie wirken auf unser Selbst. Besonders Ereignisse, für die wir noch keine Werkzeuge haben um mit ihnen umzugehen, können uns aus der Bahn werfen.

Aber das Selbst ist lernfähig, es ist keine starre Größe – mit jeder neuen Erfahrung haben wir eine Lektion vor uns, die, uns, haben wir sie gelernt, wachsen lässt."

Angelika Wende


Zum Nachdenken


Malerei: Angelika Wende




GEDANKEN ÜBER DAS INNERE KIND


"Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange

leiden machen, bis du sie erhörst."

Hermann Hesse

Das Innere Kind. Wir alle haben diesen Begriff schon einmal gehört oder gelesen. Aber nicht alle von uns haben eine genaue Vorstellung davon, was der Begriff bedeutet, obwohl wir alle ein inneres Kind in uns tragen, egal wie alt wir sind.Jedes innere Kind in jedem von uns ist anders und vor allem, es macht sich bei jedem von uns anders bemerkbar. So verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind unsere inneren Kinder.

 

Der Begriff Inneres Kind kommt aus dem Reich der Psychologie und ist noch gar nicht so alt.

 

Vor ca. fünfzehn Jahren schrieben Erika J. Chopich und Margaret Paul das Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind" und machten den Begriff populär. Auch das Buch "Versöhnung mit dem inneren Kind" von Thich Nhat Hanh ist ein bekanntes Werk über die heilende Kraft der Achtsamkeit für unser inneres Kind.

 

Ursprünglich jedoch basiert das Modell des Inneren Kindes auf dem psychologischen Konzept der Psychosynthese, zu deren Entwicklung der Italiener Roberto Assagioli beigetragen hat. Assagioli war ein Schüler von Freud, bis er sich von ihm abwandte und zum Pionier der transpersonalen Psychologie und Psychotherapie wurde. Der Psychiater und Psychotherapeut entwickelte mit der Idee der Psychosynthese ein Modell des Menschen das Körper, Geist und Seele umfasst.

 

Bereits im Jahre 1910 wies Assagioli auf die Mängel des Freudschen Triebmodells hin. Er war der Überzeugung, dass, solange man den Menschen nur als ein von seinen Trieben gesteuertes Wesen betrachte, er in seiner komplexen Ganzheit nicht erfasst werden könne. Assagioli erkannte die Realität der Seele an und zwar als wesentlichen Teil der menschlichen Struktur. Er war überzeugt davon, dass der Mensch in seiner Essenz eine Seele ist und darüber hinaus eine Persönlichkeit besitzt, mit vielen Teilen, die er Teilpersönlichkeiten nannte.

 

Ein bekanntes Zitat Assagiolis lautet:

„Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.

Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.

Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht meine Wünsche.

Ich habe einen Geist, aber ich bin nicht mein Geist.

Ich bin ein Zentrum aus reinem Bewusstsein.“

 

Assagioli ging es in seiner Arbeit darum, zu vermitteln wie der Mensch in Distanz zu dieser Persönlichkeit und ihren Teilen gehen kann, mit dem Ziel sich davon zu disidentifizieren.

 

Er war davon überzeugt, dass der Mensch vom Zentrum des Bewusstseins aus fähig sei, die einzelnen Teile seiner Person, also Körper, Geist, Seele, Gefühle und Gedanken, aber auch die vielen verschieden Rollen, die er im Laufe des Leben spielt und seine Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Ihm ging es um die Bewusstwerdung von schädigenden unbewussten Inhalten, um schließlich zu einer größeren Klarheit über das eigene Wesen zu gelangen. So ordnete er die Persönlichkeit dem Personalen Selbst oder dem Ich zu, in dem auch der Wille und damit die Fähigkeit zur Wahl angesiedelt sind. Und damit einhergehend die Wahl bewusst und selbstbestimmt zu leben und zu handeln.

 

Unser Inneres Kind ist nur eine unserer vielen Teilpersönlichkeiten.

Es haust, wie viele Teile unseres Selbst, im Unterbewusstsein. Von da aus agiert es und beeinflusst, je nach unserer individuellen Erfahrung, unser Leben als Erwachsene.

 

Das innere Kind ist machtvoll, besonders wenn es ein verletztes und/oder ein ungeliebtes inneres Kind ist.

 

Typisch für dieses Kind sind impulsives Verhalten und eine geringe Frustrationstoleranz. Schon die kleinste Kritik, die kleinste Zurückweisung können enorme, für andere unangemessene Reaktionen auslösen. Hat ein Mensch als Kind wenig Liebe und Beachtung, Schmerz oder sogar Missbrauch erlebt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Erwachsene sein inneres Kind unbewusst ablehnt, weil er diese vernichtenden Erfahrungen nicht wieder fühlen will. Das schmerzhaft Erlebte wird verdrängt.

 

Aber alles Verdrängte kommt auf den seltsamsten Wegen nach oben, wenn es abgeschnitten bleibt und nicht bewusst wird. Es ist nur verbannt in das Reich der Schatten und führt dort ein mitunter zerstörerisches Eigenleben.

 

Im Prinzip ist das innere Kind ein Schattenaspekt unserer Persönlichkeit.

 

Es ist das Ungelebte, das Unverarbeitete und Verdrängte, es ist der Mangel und der Schmerz dessen, was wir als Kind erfahren haben, was uns angetan oder vorenthalten wurde und das, was uns über uns selbst zu denken und zu fühlen beigebracht wurde. Meistens durch die eigenen Eltern oder nahe stehende Bezugspersonen.

 

Durch das Abschneiden der schmerzhaften Gefühle, die wir als Kind erlebt haben, wird jedoch auch das Empfinden positiver Gefühle verhindert und Gefühle des Ungeliebtseins, der Leere, der Wut, der Trauer und der inneren Einsamkeit manifestieren sich. Es kommt zu keinem tiefen Kontakt mit uns selbst. Aber ein tiefer Kontakt zu Anderen ist ohne Verbindung zu uns selbst nicht möglich. Andererseits werden eigene Wünsche und Gefühle unterdrückt, in der unbewussten Hoffnung geliebt zu werden, wenn man sich den Erwartungen anderer anpasst.Das ist ein Teil des Dramas des inneren Kindes, basierend auf der Wunde des Ungeliebten. Es ist das Kindheitstrauma derer, die Liebe ohne Bedingungen niemals erfahren haben.

 

Unser inneres Kind ist zum einen das Symbol für unsere Verwundbarkeit und zum anderen der Ursprung für unsere Angst als Erwachsene wieder verletzt und zurückgewiesen zu werden.Es steht für unsere Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung und der Akzeptanz, das wir in Ordnung sind, so wie wir sind. Aber zugleich ist es auch der Teil in uns, der die positiven Anteile  wie Spontaneität, Neugierde, Lebendigkeit, das Spielerische, Schöpfertum und die Fähigkeit ganz im Moment sein zu können, in sich trägt.

 

Das verletzte innere Kind aber kann all diese positiven Anteile nur begrenzt ausleben. Es ist wütend, es ist traurig und es fühlt sich schuldig aufgrund der bis ins Erwachsenenalter unbewusst wirkenden Introjektion derer, die ihm Schmerzen oder Böses zugefügt haben.

 

Introjektion bedeutet, dass eine äußere Realität, also Objekte und/oder Objektqualitäten in das eigene seelische Innere einverleibt werden. Dies führt zu einer Identifizierung mit den Eigenschaften dieses Objekts oder seiner Qualitäten. Die Folge ist eine lebenslange innere Zerrissenheit, ein innerer Kampf indem das Kind sich hilflos und ohnmächtig fühlt und seine ganze Kraft darauf verwendet sich zu befreien.

 

Die Psychoanalytikerin Luise Reddemann schrieb einmal: „Was in der Vergangenheit versäumt wurde, können später weder der Partner noch Freunde oder Kollegen und die eigenen Eltern wiedergutmachen. Man kann sein inneres Kind sozusagen nicht anderen Menschen auf den Schoß setzen.“

 

Wie aber wirkt das verletzte innere Kind in unserem Leben?

 

Wer ein ungeliebtes, verletztes inneres Kind in sich trägt, schreit ein Leben lang unbewusst oder bewusst nach Wiedergutmachung. Er fordert ein, was ihm als Kind verwehrt oder was in ihm zerstört wurde. Im Grunde aber schreit dieses Kind nach bedingungsloser Liebe, eine Liebe, die es in sich selbst nicht spürt, weil es sie nicht erfahren hat.

 

Menschen die ein verletztes inneres Kind in sich tragen sind der festen Überzeugung, dass sie sich selbst nicht glücklich machen können und dass sie Schmerz und Ablehnung nicht aushalten können. Das führt auch dazu, dass sie dazu neigen andere für ihr Leid verantwortlich zu machen, sie zu kontrollieren und zu manipulieren. Sich selbst entzieht das innere Kind hingegen jeglicher Kontrolle. Es schreit nach Abgrenzung, obwohl es sich gleichzeitig nach nichts mehr sehnt als nach Nähe und dem Gefühl geliebt zu werden.

 

Kinder, die wenig Liebe und Anerkennung erfahren haben, die seelisch oder körperlich missbraucht wurden, haben als Erwachsene ein geringes Selbstwertgefühl und sie spüren sich selbst nur begrenzt.

 

Sie haben Nachholbedarf. Ihr Verlangen ist es, mangelnde Anerkennung und Liebe von anderen zu bekommen und zwar in Beziehungen und Partnerschaften. Aber weil man als Kind ihre Grenzen immer überschritten oder sie nicht geachtet hat, können sich nur schwer abgrenzen. Sie suchen Nähe und können sie nur schwer aushalten. Sie sind immer auf der Hut, denn das Zulassen von emotionaler oder körperlicher Nähe bedeutet im Zweifel wieder eine neue Verletzung.

 

Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Angst vor neuen Verletzungen leben sie in einem Niemandsland. Sie fühlen sich niemals angekommen und nie angenommen, wobei eins das andere bedingt, denn wer sich nicht angenommen fühlt ist ein Heimatloser in sich selbst und heimatlos in der Welt. Da sind immer die Wunden der alten Verletzungen und die kleinste Zurückweisung genügt, um wieder den alten Schmerz des Kindes zu spüren. Das Grundgefühl dieser Menschen ist: Ich bin nicht liebenswert. Ich kann niemandem vertrauen.Aus der Angst heraus nicht liebenswert zu sein sind sie schnell bereit die Erwartungen der Anderen zu erfüllen, um erneute Zurückweisung, oder Liebesentzug zu vermeiden. Nicht selten führt das zu Abhängigkeit, vor allem vom Partner und manchmal sogar von den eigenen Kindern. Das Klammern an andere Menschen ist ein Ausdruck von Angst. Die Angst vor Verlust und die Angst vor der Einsamkeit. Beziehungen dieser Art sind nicht gesund und was Partnerschaften angeht, selten dauertüchtig. Kommt es zur Trennung wird das Glaubensmuster - ich bin nicht liebenswert, nicht gut genug - bestätigt. Ein Teufelskreis! Ein Leid ohne Ende.

 

Wo ist der Weg aus diesem Teufelskreis?

 

Zurück zu Assagioli und seinem Credo:  Zum Beobachter unserer inneren Welt von Gefühlen und Gedanken werden.Viele von uns sind als Kind durch Missachtung, negative Bewertungen, Beschimpfungen, Liebesentzug und Demütigungen bis hin zu emotionalem oder körperlichen Missbrauch verletzt worden, aber nicht jeder von uns identifiziert sich ein Leben lang mit seinem verletzten inneren Kind. Wer sich mit diesem inneren Kind überwiegend identifiziert, hat es schwer „erwachsen zu werden“. Damit meine ich, diesem verzweifelt nach Liebe schreienden Kind zu „entwachsen“ und sich wie ein erwachsener Mensch zu verhalten.

 

Aber was ist erwachsen?

 

Im Gegensatz zum Kind, dessen Existenz abhängig ist von der Fürsorge und Liebe seiner Eltern und anderen Bezugspersonen, ist der Erwachsene unabhängig. Er kann für sich selbst sorgen. Er ist in der Lage, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, er hat einen Willen und – was ihm als Kind nicht möglich war – er kann und er darf wollen und er kann das Gewollte auch in Handeln umsetzen. Er darf selbstständig handeln für sein Wohlergehen selbst sorgen. Ein Erwachsener ist fähig ohne die permanente Anerkennung und die Zuneigung von anderen zu überleben, ohne sich seiner gesamten Existenz gefährdet zu fühlen -  er ist emotional unabhängig.

 

Aber ist emotionale Unabhängigkeit überhaupt möglich?

 

Zweifellos ist lieben und geliebt werden entscheidend und wichtig um ein erfülltes Leben zu leben, aber es gibt eben auch Zeiten im Leben, wo wir das nicht haben. Zeiten, in denen die Liebe zu einem Anderen abwesend ist. Zeiten, in denen wir allein sind mit uns selbst. Emotional allein. Und dann sind wir nicht anhängig an andere und in der Konsequenz unabhängig von deren emotionaler Zuwendung.

 

Allein mit sich selbst, das ist für keinen Menschen leicht aber für das verletzte innere Kind ist es ein Gefühl, das ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Denn das Glaubensmuster des Kindes ist: Ich muss geliebt werden, sonst kann ich nicht überleben. Wenn dieses Glaubensmuster vorherrscht sind wir unfrei, nicht nur in uns selbst, sondern in jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Wir sind, wie als Kind, abhängig von Anderen und damit manipulierbar. Wir projizieren auf den Partner eine Art Ersatzelternteil und fordern unbewusst diese eine Liebe, die wir niemals bekommen haben. Das überfordert jeden Menschen, denn diese Forderung kann niemals erfüllt werden, weil sie alt ist und mit dem Partner nichts zu tun hat: Es ist die kindliche Sucht nach Liebe und Anerkennung durch die Eltern. Wird sie nicht erfüllt, gleicht sie ein Leben lang einem Fass ohne Boden.

 

Wer will so leben?

 

Die Arbeit mit dem inneren Kind bedeutet den Willen zu haben den "inneren Erwachsenen" zu entwickeln. Sie bedeutet: Unser inneres Kind zu suchen um zu erkennen welches innere Kind in uns wirkt, wie es sich fühlt, wie es agiert, es zu identifizieren um uns schließlich zu disidentifizieren.

 

Ein mitunter lebenslanger, schmerzhafter Prozess. Dazu gehört auch unserem verletzten inneren Kind selbst die Wertschätzung und Anerkennung zu geben, die es vermisst hat.Dazu gehört: Immer wieder aufs Neue Distanz einzunehmen, was bedeutet: Die Gefühle und die Ängste des inneren Kindes wahrzunehmen und sie als das zu erkennen, was sie sind – alte Gefühle der Verwundung, der Sehnsucht und des Schmerzes. Es bedeutet, diese Gefühle auszuhalten, sie nicht zu verdrängen sondern sie zuzulassen, ohne sich von ihnen überfluten zu lassen. Das ist schwer. Es ist auch schwer, das innere Kind zu umarmen anstatt es zu beschuldigen, es zu kritisieren und es zu vernichten wenn es sich meldet, es nicht endlos zu bejammern und zu bemitleiden.

 

Dazu gehört Mitgefühl, was bedeutet, mit diesem Kind zu fühlen und zwar als Erwachsener und nicht in der Rolle des Kindes. Denn Mitleid und vor allem Selbstmitleid ist eine Spirale nach unten, es ist immer potenziertes Leid.

 

Warum nicht mit dem Kind in uns sprechen und ihm immer wieder sagen: Du bist liebenswert, du hast Gutes verdient? Warum nicht dem inneren Kind Gutes tun und mit ihm spielen?

 

Es hilft, sich unserer Introjekte bewusst werden und sie, so schwer es fällt, zu integrieren und nicht abzuspalten oder auf andere zu übertragen. Und vor allem: Es hilft anzunehmen was ist.

 

Annehmen was ist, bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unser Schicksal. Und das gelingt nur dann, wenn wir dem, was uns widerfahren ist einen Sinn verleihen können. Wenn wir fest daran glauben, dass jede Erfahrung uns zu dem Menschen macht, der wir sind.Jede Erfahrung, gerade die schmerzhaften lassen uns innerlich wachsen, sie lassen uns, wenn wir es zulassen, er - wachsen. Sie lassen uns reifer, empathischer und verständnisvoller werden - für die eigenen Mängel und Nöte und für die Mängel und Nöte anderer. Es macht Sinn unserem "inneren Kind" einen "inneren Erwachsenen"zu Seite zu stellen. Das ist ein langer Prozess und er erfordert Mut und Selbstbeobachtung. Er bedeutet auch unterscheiden zu lernen, wann unser inneres Kind die Kontrolle übernimmt und unser Leben mit seinen negativen Glaubensmustern boykottiert.

 

Die Arbeit mit dem inneren Kind, mit dem Ziel Verantwortung für unser Leben zu übernehmen ist mit viel Angst verbunden.

 

Am Anfang dieses Prozesses steht die Entscheidung uns selbst lieben zu lernen und der feste Wille dem Alten, der Vergangenheit zu entwachsen, wie gesagt, erwachsen zu werden, trotz der Angst und der tiefen Trauer über das nie Erhaltene, die Liebe, die uns verweigert wurde. Und schließlich auf diese Liebe zu verzichten

und anzuerkennen: Ja, in mir ist etwas „kaputt“. Das zugeben zu können, vor sich selbst und anderen, bedeutet sich selbst die Erlaubnis zu geben, was weh tut fühlen zu dürfen. Bei vielen Menschen schafft das enorme Entlastung.Es gibt Menschen, die das nicht können oder nicht wollen, Menschen, die in ihrer Verletzung, ihrer Trauer und in ihrer Wut stecken bleiben. Sie verletzen damit selbst immer wieder ihr eigenes inneres Kind. Sie lassen zu, dass anerzogene Glaubensmuster sie beherrschen. Sie fordern Rache und Vergeltung für das, was das Leben oder die Eltern ihnen angetan haben oder ihnen schuldig geblieben ist. Nur werden die (vermeintlich) Schuldigen diesen Ausgleich in den seltensten Fällen herstellen. Weil sie es nicht können, es nicht wollen oder weil sie sich keiner Schuld bewusst sind.

 

Diesen Menschen oder gar dem Leben etwas abzuverlangen zerreisst den, der das will. Er bleibt Opfer über die Zeit der Tat hinaus. Er ist ein ewiger Gefangener der mutmaßlichen oder wirklichen Täter und er ist auf immer gefangen im Introjekt. Er behandelt sich selbst genauso schlecht wie er als Kind behandelt wurde und wird so letztlich zum Täter an sich selbst.Der Volksmund sagt: Rache schaufelt immer zwei Gräber.Mit dem Wunsch nach Rache und Vergeltung gelingt es nicht, das innere Kind zu besänftigen und schon gar nicht es liebevoll anzunehmen. Es wird immer wütender, immer verzweifelter und einsamer. Es findet niemals Ruhe und der Erwachsene findet niemals zu sich selbst und zu seinen schöpferischen Möglichkeiten.

 

Wenn uns alte Wahrheiten beherrschen erreichen uns neue heilende Wahrheiten nicht.

Aber was macht es so schwer eine neue, bessere Wahrheit in unser Leben zu lassen?

 

Es ist unser Unterbewusstsein, es ist der Schatten, den wir verdrängen und aus unserem Bewusstsein verbannen. Der Schatten, der unser Leben genau darum überschattet, weil wir ihn nicht ins Licht holen. Wir spüren ihn, aber weil es weh tut, schauen wir ihm nicht ins Gesicht. Aber ihm ins Gesicht schauen, dem inneren Kind Gehör verschaffen ist der Weg auf dem es uns gelingt, den alten Schmerz zu heilen. All das, was sich schlecht anfühlt, anzuschauen bedeutet damit aufzuhören uns selbst etwas vorzumachen und es ist der Anfang zu dem zu stehen, was auch in uns ist: Das Dunkle, die Angst, die Trauer, der Schmerz und die Wut. Es anzuschauen und es ernst nehmen was wir sehen bedeutet zu weinen und die Wut auszudrücken, es bedeutet die Angst anzuschauen und ja, sie zu fühlen, anstatt sie zu unterdrücken, weil wir glauben all das darf nicht sein. All das darf sein! Und wenn es sein darf verurteilen wir uns nicht länger für diese Gefühle. Das ist der erste Schritt zur Befreiung unseres inneren Kindes: Es darf sein.

 

Die innere Wahrheit des Erwachsenen, wenn das innere Kind angenommen wird, ist: Ich bin für mich selbst, für mein Wohlergehen, mein Wohlbefinden, meine Zufriedenheit und mein Leben jetzt selbst verantwortlich. Ich habe den Willen, den Mut, die Kraft und die Macht es zu versuchen und danach zu handeln. Ich lasse zu und nehme an, was an Gefühlen in mir ist, die guten und die unguten, denn ich weiß um meine Schatten und ich weiß - alle Teile in mir sind mein Ganzes. Spalte ich einen Teil von mir ab, bin ich nicht ganz.

 

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist ein langer Weg an dessen Ende die Versöhnung steht, mit dem, was das Leben uns aufträgt und es ist die Akzeptanz dessen, was das Leben uns zu lösen aufgibt.

 

Menschen, die ihr inneres Kind erlöst haben erkennt man daran, dass sie vom Wohlwollen und der Zuneigung anderer nicht mehr abhängen. Das bedeutet nicht, dass sie andere nicht mehr brauchen, aber sie sind fähig sich das, was sie brauchen selbst zu geben. Nicht geliebt oder abgelehnt zu werden, bedeutet für sie nicht mehr die Zerstörung ihrer Existenz.Wenn wir unser inneres Kind erlöst haben, nehmen wir dieses Kind selbst auf den Schoß, wenn es das braucht. Und wir haben gelernt unser Kind zu beachten und es zu  fragen - was brauchst du, mein Kind - jetzt?


(c) Angelika Wende

 



SP
RICH MIT MIR 
UND ICH SAGE DIR
WIE DU DEINE WELT SIEHST


Die Art und Weise wie wir sprechen, welche Worte wir wählen, wie wir betonen, verrät viel über unsere Persönlichkeit und bestimmt wie andere uns wahrnehmen.

Ohne uns dessen bewusst zu sein, sind wir ständig die Ich - Erzähler unseres eigenen Lebens. Wir sind sozusagen die Helden unseres Lebensdrehbuches. Jeder einzelne Tag im Leben beschreibt eine Seite in diesem Buch. Was wir in uns tragen beeinflusst das Außen und wiederum beeinflusst das Außen unser Inneres. Wenn wir sprechen dringt unser Inneres ins Außen. Wie wir sprechen beeinflusst nicht nur wie andere uns wahrnehmen, sondern spricht davon, wie wir selbst uns sehen. Es beeinflusst zugleich unsere Eigenwahrnehmung und verfestigt diese. Wir sprechen wie wir sind über den Menschen, der wir sind oder zu sein glauben.

Umso unbegreiflicher ist es für mich wie wenig Menschen sich mit der eigenen Sprechweise auseinandersetzen, sie bewusst wahrnehmen und trainieren. Unsere Sprechmuster senden, neben Gestik und Mimik, ein Bild von uns selbst ins Außen. Dieses "Bild" wird wahrgenommen. Es wird gesehen, gehört und es wird bewertet. Menschen bewerten. Der Mensch ist so angelegt. Er muss bewerten, nicht zuletzt um sich in seiner Wirklichkeit sicher zu fühlen. Mit jedem gesprochenen Wort, mit jedem Satz, kommunizieren wir unsere individuelle Deutung von Wirklichkeit, unsere Gefühle und Gedanken.

Unsere Sprechmuster und die Eigenschaften unserer Stimme wie Klang, Sprechduktus und Tonlage sind Werkzeuge der Persönlichkeit. Sie formen sie. Und mit der Zeit zementieren Sie sie sogar. In Sprechweise und Wortwahl, in Klang und Ton, drücken wir aus wer wir sind. Wir kommunizieren hörbar unsere Persönlichkeit. Wir alle wissen - es kommt nicht nur darauf an WAS wir sagen, sondern WIE wir es sagen. Wie wir sprechen, wie laut, wie leise, wie schnell, wie tief, wie hoch, spricht vom Umgang mit uns selbst.

Ich kenne Menschen, die so leise sprechen, dass man sie kaum versteht. Verstehen sie sich selbst? Glauben sie, dass sie etwas zu sagen haben? Ich kenne Menschen, die reden so schnell, dass sie das Luftholen vergessen. Haben sie Angst, dass man sie nicht aussprechen lässt? Glauben sie, sie müssten schnell sprechen, damit man ihnen überhaupt zuhört? Ich kenne Menschen, die andere ständig "überreden", sie nicht zu Wort kommen lassen. Überreden sie sich selbst? Glauben Sie sich selbst etwas einreden zu müssen? All das sind Beispiele die zeigen, wie sehr unsere Sprechweise Aspekte unserer Persönlichkeit hörbar macht.

 

 

Sprechen, Hören und Fühlen haben viel miteinander zu tun. Viele Menschen sprechen ohne sich selbst bewusst zu hören. Hineinhören in sich selbst, um das, was im Inneren ist wahrzunehmen - um es im Außen hörbar zu machen. Bewusstsein für uns selbst beginnt damit uns zu hören, uns zuzuhören. Wir alle möchten gehört werden, wir möchten, dass man uns zuhört, dass man uns erhört, auch das. Aber wie soll das gehen, wenn wir uns selbst nicht (zu)hören? Sich zuhören, sich sprechen hören heißt auch: Achtsamkeit mit sich selbst üben. Um dann achtsam mit Stimme und Sprache umzugehen.

Sprich mit mir - und ich erkenne wie du denkst und fühlst, über dich selbst.

Unbewusst erkennen wir einander an unserer Sprechweise. Schludrige gewohnheitsmäßig benutzte Sprechmuster, Sprechtöne, Stimmeigenschaften, Räuspern, Füller wie "eh" oder Ähnliches, unterstützen schludrige Eigenschaften und manifestieren ungute Verhaltensmuster. Und vor allem, im Berufsalltag kommen schludriges Sprechen und schlechte Artikulation wenig sympathisch und vor allem - nicht souverän und überzeugend an. Die Entwicklung unserer Persönlichkeit zeigt sich hörbar an unserer Sprache und umgekehrt ist eine Persönlichkeitsentwicklung unter der Beibehaltung alter Sprechmuster nahezu unmöglich. Der Ton macht die Musik! Und unschön klingende Sprechtöne machen eine Musik, die man nicht gerne hören mag. Man selbst nicht und andere auch nicht.

Das kann man ändern. Mit einem gezielten Sprech-und Stimmtraining. Unsere Stimme ist kein ein für alle Mal gestimmter Klangkörper eine trainierbare Fähigkeit. Und auch eine sympathische Austrahlung ist erlernbar. Stimme ist ein Erfolgsfaktor. In meiner Praxis biete ich Einzeltrainings und Inhouse-Seminare für Unternehmen an. Durch meine über 20jährige Erfahrung als Sprecherin und Trainerin weiß ich: Stimm- und Sprechtraining verbessern schon nach wenigen Trainingsstunden die Selbstwahrnehmung und die Wirkung auf andere. Den richtigen Ton treffen und stimmliche Präsenz für den Erfolg nutzen ist für jeden möglich.


(c) Angelika Wende


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http://angelikawende.blogspot.de